Der Ortsverband der AfD Hille hat heute einen Antrag eingereicht, in dem gefordert wird, Regenwasser auf Friedhöfen durch Zisternen oder Regentonnen aufzufangen, um Trinkwasser zu sparen. Als Grüne Fraktion begrüßen wir grundsätzlich jede Maßnahme, die ein Bewusstsein für unsere wertvollen und schwindenden Wasserressourcen schafft. Doch wer sich die Dimensionen unserer aktuellen Herausforderungen in der Gemeinde Hille ansieht, merkt schnell: Dieser Vorstoß ist reine Symbolpolitik und greift als Lösungsansatz viel zu kurz.
Klimawandel leugnen, aber Symptome bekämpfen
Bevor wir uns den Details widmen, müssen wir das Offensichtliche benennen: Es entbehrt nicht einer gewissen Absurdität, wenn ausgerechnet die AfD diesen Antrag stellt. Auf der einen Seite wird der menschengemachte Klimawandel samt all seiner Extremwetterereignisse wie Dürren und Hitzeperioden konsequent geleugnet und verharmlost. Auf der anderen Seite reicht man nun einen Antrag ein, um mit ein paar Regentonnen auf Friedhöfen exakt den lokalen Symptomen dieser Klimakrise zu begegnen.
Es ist schlichtweg grotesk, die Augen vor der eigentlichen Ursache zu verschließen, aber gleichzeitig eine derart durchsichtige Erzählung konstruieren zu wollen. Es ist offensichtlich, welches Narrativ hier bedient werden soll: Das emotionale Bild der verzweifelten älteren Witwe, die die Blumen auf dem Grab ihres verstorbenen Ehemannes wegen drohender Wassereinschränkungen nicht mehr anständig wässern darf. Diese populistische Instrumentalisierung von berechtigten Sorgen und Ängsten an einem sensiblen Ort wie dem Friedhof müssen wir klar benennen und unterbinden. Wer die Klimakatastrophe ignoriert und wirksame Schutzmaßnahmen torpediert, kaschiert seine Planlosigkeit auch nicht mit kleinteiliger Kosmetik und künstlicher Aufregung.
Die reale Dimension des Hiller Wasserproblems
Wir alle haben die dramatische Lage beim Wasserbeschaffungsverband (WBV) „Am Wiehen“ aktuell deutlich vor Augen: Während der anhaltenden Hitzeperiode befindet sich die Trinkwasserversorgung in unserer Region im Ausnahmezustand. Am 19. Juni erreichten wir einen immensen Spitzenverbrauch von rund 20,2 Millionen Litern – eine Menge, die durch die Eigenförderung der Brunnen schlichtweg nicht mehr nachgefüllt werden kann. Um die Versorgung in den Sommermonaten stabil zu halten, muss der Verbrauch dauerhaft auf 16 bis 17 Millionen Liter pro Tag gesenkt werden.
Symbolik statt echter Lösungen
Die AfD verweist in ihrer Begründung auf die Städte Eltville und Ennepetal. Schaut man sich das Konzept genauer an, wird die geringe Skalierbarkeit sofort klar: Auf dem neuen Friedhof in Rauenthal wurde beispielsweise lediglich eine grüne Regentonne neben der Trauerhalle aufgestellt, die Regenwasser vom Dach auffängt, das dann zum Gießen genutzt werden kann. Das ist zwar eine charmante Idee im Kleinen. Gemessen an einem Hiller Wasserdefizit von mehreren Millionen Litern am Tag ist ein solches Vorhaben jedoch kaum eine wirkliche, dauerhafte Entlastung für die Bürgerinnen und Bürger.
Der Wasserverbrauch für die Grabpflege auf Friedhöfen macht nur einen verschwindend geringen Bruchteil des kommunalen Gesamtverbrauchs aus. Die massiven Lastspitzen im Sommer entstehen durch die private Gartenbewässerung, das Befüllen von Pools und den regulären Haushaltsverbrauch (wie Waschmaschinen und Toilettenspülungen). Wer unser Wassernetz wirklich entlasten und auch in Zukunft großflächige Bewässerungsverbote verhindern möchte, muss die Klimakatastrophe ernst nehmen und bei den privaten Anlagen ansetzen. Diese sind um ein Vielfaches sinniger, da sie die weitaus größeren Dachflächen der Wohnbebauung nutzen und das Wasser exakt dort bereithalten, wo der höchste Verbrauch stattfindet.
Ein fataler Rückschritt aus der Vergangenheit
Besonders bitter an dieser aktuellen Debatte ist die lokale Historie: Genau dieser sinnvolle, private Zisternenausbau wurde in Hille vor einigen Jahren noch kommunal gefördert. Leider hat man dieses weitsichtige Programm damals aus kurzfristigen Kostengründen wieder gestrichen. Die Quittung für diese Sparmaßnahme an der falschen Stelle zahlen wir heute alle gemeinsam mit drastischen Wasserknappheiten. Wie unglaubwürdig der aktuelle Vorstoß ist, zeigt auch das Abstimmungsverhalten der AfD-Fraktion: Einer echten Strategie der Nachhaltigkeit hat sie sich in der vergangenen Legislaturperiode noch entgegengestellt – mit der zynischen Begründung, dass „niemand damit etwas anfangen könnte“.
Unsere grüne Vision: Das klimaresiliente Hille
Wir GRÜNEN in Hille haben klare, weitreichende Konzepte, die über vereinzelte Regentonnen auf Friedhöfen weit hinausgehen. Wir machen deutlich: Regen ist kein Abfall, sondern ein echter Schatz für unser Grundwasser. In unserem kommunalen Wahlprogramm fordern wir weitreichendere strukturelle Maßnahmen:
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Reaktivierung privater Förderungen: Wir fordern die sofortige Wiedereinführung der kommunalen Zuschüsse für private Regenwassernutzungsanlagen, also für Zisternen, Regentonnen und Brauchwassersysteme.
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Regularien anpassen: Wir setzen uns für eine Pflicht zur Regenwassernutzung bei Neubauten ein, insbesondere für die Gartenbewässerung und Toilettenspülung.
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Schwammstadt-Prinzip: Die gezielte Entsiegelung privater Flächen sowie der Einsatz von Rigolen, Muldensystemen und wasserdurchlässigem Pflaster muss forciert werden.
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Finanzielle Anreize: Wer durch kombinierte Förderprogramme (wie Gründächer plus Speicher) vorsorgt, soll durch niedrigere Abwassergebühren belohnt werden.
Fazit: Der Antrag der AfD mag auf den ersten Blick populär klingen, lenkt aber als heuchlerische Symbolpolitik von den eigentlich notwendigen, großen Hebeln der Klimaanpassung ab. Wir als GRÜNE Hille werden uns im Gemeinderat dafür einsetzen, diesen isolierten Vorschlag nicht als bloßes Feigenblatt stehen zu lassen. Stattdessen werden wir den Antrag als dringend nötigen Anlass nehmen, um zu fordern, die gestrichene Förderung für private Zisternen sofort wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Nur mit einer flächendeckenden, dezentralen Regenwasserbewirtschaftung machen wir Hille wirklich zukunftsfest!

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