In der Debatte um die Windenergie in Hille wird oft auf eine vermeintlich beruhigende Zahl verwiesen: Null. Der Regionalplan NRW sieht für unsere Gemeinde null Hektar zusätzliche Windkraftflächen vor. In einem kürzlich erschienenen Leserbrief im Mindener Tageblatt wurde daraus geschlussfolgert, dass wir uns zurücklehnen können. Die Planung eigener Anlagen sei angesichts unserer Schulden eine unverantwortliche Verschwendung von Steuergeldern, zumal unser Strombedarf ohnehin sinke.
Das klingt im ersten Moment nachvollziehbar – doch wer genauer hinsieht, erkennt: Diese Argumentation ist ein gefährlicher Trugschluss, der unsere Gemeinde teuer zu stehen kommen wird.
Schulden bekämpft man mit Einnahmen, nicht mit Stillstand
Werfen wir einen schonungslosen Blick auf unsere Realität: Die Gemeinde Hille steuert mit hoher Geschwindigkeit auf ein millionenfaches Haushaltsdefizit zu und damit geradewegs auf die Haushaltssicherung im Jahr 2027. Das bedeutet den Verlust unserer finanziellen Handlungsfähigkeit. Wir sind eine alternde Gesellschaft und verlieren seit über 20 Jahren stetig an Einwohnern. Der Grund dafür ist auch, dass uns schlichtweg das Geld fehlt, um unsere Gemeinde attraktiv zu halten. Spielplätze, Vereinsförderungen, Infrastruktur – all das steht auf dem Spiel.
Wenn Kritiker nun behaupten, die Planung von Windkraftanlagen sei bei dieser Schuldenlast unverantwortlich, verdrehen sie Ursache und Wirkung. Eine Flächennutzungsplanänderung ist keine Steuergeldverschwendung, sondern eine dringend notwendige Investition. Anlagenbetreiber sind heute gesetzlich verpflichtet, die Kommunen mit 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde zu beteiligen. Hinzu kommen Gewerbesteuereinnahmen. Ein moderner Windpark spült über seine Laufzeit Millionenbeträge in die klammen Gemeindekassen. Wer diese Planung aus Angst vor der eigenen Courage stoppt, rettet nicht den Haushalt, sondern zementiert unsere Überschuldung. Die „Null“ im Regionalplan ist kein Verbot des Landes – sie ist die Chance, diese Einnahmen für uns zu generieren, anstatt sie den Nachbarkommunen zu überlassen.
Die Illusion vom sinkenden Strombedarf
Ein weiteres oft gehörtes Argument ist der vermeintlich sinkende Stromverbrauch in Hille, weshalb rechnerisch kaum neue Anlagen nötig seien. Das ist der klassische Blick in den Rückspiegel. Ja, unsere Haushaltsgeräte wurden seit 2015 effizienter. Aber wer heute für die Zukunft plant, muss sehen, was auf uns zukommt: Unsere Mobilität und unsere Gebäude stehen vor einem massiven Umbruch.
Auch wenn die Zulassungszahlen kurzfristig schwanken, ist der Trend eindeutig: Die Zukunft auf unseren Straßen ist elektrisch. Jedes neue Elektroauto in einer Hiller Garage braucht Strom. Gleichzeitig zwingt uns die Kommunale Wärmeplanung zum Handeln. Öl- und Gasheizungen haben ausgedient, die Zukunft gehört der Wärmepumpe – und auch diese läuft mit Strom. Unser Bedarf an elektrischer Energie wird in den kommenden Jahren also nicht sinken, sondern drastisch steigen.
Wir haben es selbst in der Hand
Wenn wir diesen enormen, zukünftigen Strombedarf teuer von außen einkaufen müssen, belastet das jeden einzelnen Haushalt und jeden Betrieb in Hille. Wir brauchen viel mehr und vor allem günstigen Strom aus erneuerbaren Energien direkt vor unserer Haustür. Bei der Photovoltaik sind wir auf einem guten Weg. Doch Solarenergie allein reicht nicht aus, um unsere Versorgung in den dunklen und windreichen Wintermonaten zu sichern. Wir müssen bei der Windkraft nachlegen.
Es ist verständlich, dass Veränderungen vor der eigenen Haustür Sorgen auslösen. Doch wir dürfen uns nicht hinter veralteten Zahlen oder einer „Null“ im Regionalplan verstecken, während uns finanziell das Wasser bis zum Hals steht. Windkraft ist nicht unser Feind. Sie ist der Schlüssel, um Hille finanziell wieder auf eigene Beine zu stellen und für kommende Generationen lebenswert zu machen. Wir sollten mutig genug sein, diese Chance zu ergreifen.
Marvin Möller

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